Chronik des Motor-Yacht-Club
Lübbecke e. V.
(Auszug)
Am 24.Juni 1964 wurde der
Motoryachtclub Lübbecke offiziell gegründet. Zwar hatten sich schon vorher
wassersport-begeisterte junge Männer zusammengetan um in Lübbecke auf den
Wasserflächen des Mittellandkanals mit ihren Sportbooten ihren Sport zu
betreiben, doch bis dahin waren alle nur „Einzelkämpfer“. Fritz Schilling war die
treibende Kraft zur Gründung eines
Yachtclubs. Zum Vorsitzenden wurde Paul Broich, zum stellvertretenden
Vorsitzenden Wolfgang Alt und zum Kassenwart Ludwig Zboron gewählt. Mit Heinz
Dobrisch als Schriftführer war der Vorstand vollständig. Zu den „Männern der
ersten Stunde“ zählten außerdem Albert Broich
und Manfred Ludwig. Eine Satzung wurde erarbeitet und damit waren die
Voraussetzungen zur Eintragung des Clubs in das Vereinsregister beim
Amtsgericht Lübbecke unter der Nummer
234 erfüllt.
Mit dem Wasser- und
Schifffahrtsamt Minden wurde am 8. Februar 1965 ein Nutzungsvertrag für einen Uferstreifen von 42 Metern als
Liegeplatz im Wendebecken des Lübbecker Hafens geschlossen. Mittelpunkt im
Hafen war die „Werre“, ein außer Dienst gestelltes Versorgungsboot. Sie war das
erste Clubheim. Platzenge und die ungünstige Lage im Hafengelände führten
allerdings bald zu immer größer werdenden Problemen. Die Clubkameraden waren
daher froh, schon im Jahr 1965 ein geschützter liegendes großes Gelände im
ehemaligen Luftwaffenhafen Getmold (km
70,8 MLK) vom Wasser- und Schifffahrtsamt pachten zu können.
Jetzt wurde zum ersten Mal
ersichtlich, wie sehr gemeinsames Planen und erforderlicher Arbeitsdienst Clubkameradschaft und intensives Clubleben
förderten. Im März 1965 wurden Baupläne für eine große Steganlage diskutiert,
entworfen und bei den zuständigen Behörden eingereicht. Unter Mithilfe des
Technischen Hilfswerkes entstand eine großzügige Anlegestelle für Sportboote,
die das Wasser- und Schifffahrtsamt absegnete. Die Gesamtkosten betrugen
3636,00 DM. Da Verbände und „zuständige Stellen“ keine Zuschüsse zahlten, im
Gegenteil sogar die Pacht erhöhten, zahlte jedes Mitglied 250,00 DM Umlage.
In Getmold entfaltete sich ein
reges Clubleben, ein guter Gemeinschaftsgeist und eine vorbildliche
Kameradschaft. Gegenseitige Hilfe bei den oft auftretenden technischen
Problemen war selbstverständlich. Alle trafen sich gerne in der „Werre“.
Vorsitzender wurde Fritz Schilling. Vor Allem verband die Mitglieder der
Arbeitsdienst bei dem jährlich neu erforderlichen Aufbau der Steganlage, die
der Eisgang im Winter regelmäßig zerstört hatte. Mit viel Liebe und Sachverstand
wurde der Hafen weiter ausgebaut und zu einer ansehnlichen Anlage verbessert und verschönert. Schon 1966
wurde die Anlage erweitert, da neue Mitglieder aufgenommen wurden. Nötige
Baumaßnahmen waren unter anderem: Betonieren des Längssteges, Abmauern der
Kanalböschung, Bau eines Unterstandes, der sich zum Clubhaus wandelte.
Besonders wichtig war der Einbau eines Stromanschlusses den man vom Anglerheim,
verlegte. So entstand bald eine komfortable Clubanlage. Die Zahl der
Clubmitglieder war bis jetzt auf 23 angewachsen. Nach Fritz Schilling, der den
Club seit 1965 leitete, übernahm Karl Günther 1968 den Vorsitz.
Jetzt begann man auch mit
Ausbildungskursen für den Erwerb des Motorbootführerscheins A, die sich großer
Beliebtheit erfreuten. Hierbei erwarb sich Karl Günther große Verdienste als
Ausbilder. Auch ein Prüfungsausschuß mit
den Kameraden Fritz Schilling, Ludwig Zboron und Albert Broich wurde ge-bildet. Da die Zahl der Mitglieder
weiter gestiegen war, musste die Satzung überarbeitet und der größeren
Gemeinschaft angepasst werden. Sie wurde 1971 beschlossen und war für lange
Jahre Leitlinie im Club.
Im Jahr 1971 wurde der Vorstand neu gewählt mit Albert
Broich als 1.Vorsitzenden, Walter Putze und Gerhard Bode als 2.Vorsitzende,
Ludwig Zboron als Schatzmeister und
Fritz Schilling und Dr.Hans Hennecke als Schriftführer.
Es begann eine Zeit der
Konsolidierung für den Club. Im Sommer wurden viele Gemeinschaftsfahrten
unternommen. Höhepunkte im Clubleben waren die Nikolausfeiern und vor Allem
die großartigen, festlichen Winterfeste,
die viele Bekannte und Gäste anzogen.
Ab 1970 begannen Planungen der Wasser- und Schifffahrtsbehörden zur Verbreiterung
des Mittellandkanals. Die Wasserstraße sollte den Verkehr der Europaschiffe mit 1350t ermöglichen.
Der Club wurde darauf hingewiesen,
dass der Nutzungsvertrag nur auf
Widerruf geschlossen war. Damit musste nach einem neuen Hafengelände gesucht
werden. Dieses fand sich in Lübbecke im Schnittpunkt des Kanals mit der neu geplanten
Bundesstraße 239. Östlich der Straßenbrücke war eine Wasserfläche entstanden,
die als Bootshafen für Sportboote und Ruderboote geplant war.
Ab 1973 begannen die ersten
Besprechungen und 1974 lag ein Vertragsangebot der Stadt Lübbecke zur Errichtung
eines Sportboothafens und Clubhauses
vor.
Im August 1974 diskutierte die
Mitgliederversammlung ausführlich und kontrovers den Plan, Getmold aufzugeben
und in Lübbecke eine größere Anlage zu erstellen. Allen Clubmitgliedern war die
Idylle in Getmold zu sehr ans Herz gewachsen, als dass man sie ohne weiteres
preisgeben wollte. Zudem fürchtete man die auf den Club zukommenden enormen
finanziellen Belastungen in Lübbecke. Schließlich entschied man sich dann doch
für Lübbecke. Am 17.09.1975 wurde der Vertrag mit der Stadt Lübbecke über die
Nutzung der Wasserfläche und die Pacht des Grundstücks zur Errichtung des
Clubhauses geschlossen. Die Anlage in Getmold übernahm der
Wassersportverein Pr.Oldendorf.
Mit der Entscheidung für Lübbecke
hatten die jetzt 32 Mitglieder eine gewaltige Aufgabe übernommen. Nachdem
seitens der Stadt das Becken ausgebaggert und die Seiten befestigt waren,
konnten im Winter 1974 in Eigenarbeit stabile gegen Eisgang sichere Stege
gebaut und große Poller gesetzt werden. Am meisten Arbeit und Sorgen bereitete
der Bau des neuen Clubhauses mit den erforderlichen sanitären Einrichtungen.
Gemeinsam wurde geplant, beraten und nicht zuletzt zugepackt.
Als der Club 1976 die Gesamtanlage
mit einer großen Feier einweihte, konnten Alle auf das Geschaffene stolz sein.
Es war aus eigener Kraft ohne Zuschüsse entstanden, wobei sich die
aufgenommenen Bankkredite in bescheidenen Grenzen hielten.
Der Clubhafen erfreute sich in den
folgenden Jahren immer wachsender Beliebtheit als Anlegepunkt für durchreisende
Sportboote für einen oder mehrere Tage. Für die Mitglieder war er Erholungszentrum im Wald mit gepflegten
Grünanlagen. Bei technischen Problemen kann schnelle Hilfe angeboten werden.
Das Clubhaus mit dem großzügigen
Aufenthaltsraum und dem Anziehungspunkt
Theke lädt zum Klönen, Feiern, Zusammensein mit Gästen ein. Außerdem ist
es Unterrichtsraum für Kurse. Seine großzügige Gestaltung verdanken wir Fritz
Schilling, der leider schon 1981 verstarb.
Jedoch, „Stillstand bedeutet
Rückgang“. Stärkste Motivation zur Belebung des Clublebens war und ist nach wie
vor gemeinsames Planen, Bauen und Verbessern der Anlage. Hier war unser Motor
Albert Broich stets aktiv. Neue Seitenstege am Ufer wurden gebaut und
ausbetoniert. Schwimmstege für kleinere Boote wurden an der Ostseite
eingerichtet. 1987 fand wiederum eine größere Baumaßnahme statt. Das
Hafenbecken wurde mit großem Aufwand,
aber wieder in Eigenarbeit um 5
große Liegeplätze im Nordwesten erweitert. Ausserdem musste das schadhaft
gewordene Flachdach des Clubhauses
erneuert werden. Dazu zog man eine stabile Decke im Haus und ein solides
Walmdach mit einem Ochsenauge zum Wasser
hin, ersetzt heute das alte Dach. Die Giebel wurden im Fachwerkstil gestaltet.
So präsentierte sich der Club 1989 beim
25jährigen Bestehen mit einer vorbildlichen Steganlage und einem schmucken
Clubhaus im Landhausstil.
In den 90er Jahren war am äußeren
Erscheinungsbild des Hafens nicht mehr
viel zu ändern. Zwar mussten Verschönerungsarbeiten und kleinere Reparaturen
durchgeführt werden, doch die Clubmitglieder hatten jetzt mehr Zeit sich mit ihrem Hobby dem Wassersport zu
beschäftigen.
Dabei ergab sich auch,
dass man mit dem Vorstand, den Kameraden und dem Ablauf des Clublebens
nicht mehr zufrieden war. Auseinandersetzungen, Querelen, unkameradschaftliches
Verhalten waren die Folgen.
Nur gut, dass der Vorstand, an der
Spitze Albert Broich, ein klares Bild vom Club und seinem Wohlergehen hatte,
auch wenn er es verstand, zu polarisieren. Dem Chronisten stellt sich beim Blättern in den
Clubunterlagen immer wieder dar , wie sehr jedem Clubmitglied Wohl und Wehe
der Gemeinschaft ans Herz gewachsen waren und manches streitbare und
kritische Wort der Sorge um das Wohlsein des Clubs entsprang.
1992 die Anschaffung eines Baggers
und Pontons, die mit Spendengeldern bezahlt wurde. So konnte 1994 der Hafen
ausgebaggert werden. Bei dieser Aktion erwarben sich vor Allem Walter Putze und
Burghard Kleffmann, Willi Sander, Wieland Bohnekamp, Peter Wellpott, Karl
Steinhauer und Werner Möller, große
Verdienste. Die Hafenbeleuchtung wurde 1993 fertiggestellt. 1995 erhielten
Clubhaus und Terrasse neue Fliesen.
Durchführung und praktische
Ausbildung von Führerscheinkursen, die weiterhin großzügig angeboten und
genutzt wurden, lag in den Händen von Joseph „Jupp“ Hölscher, der 1994 die
Silberne Ehrennadel des Deutschen-Motor-Yacht-Ver-bandes DMYV für besondere Verdienste um den Wassersport, erhielt. Als
lang-jähriger Hafenmeister ist er vielen Wassersportlern als guter Geist
bekannt.
Bis Anfang der 90er Jahre war es
das Bestreben des Vereins, möglichst wenig in der Öffentlichkeit in Erscheinung
zu treten. Das änderte sich als der DMYV und der Landesverband NRW dem Landes-
und Bundessportbund beitraten und die Eintragung der Gemeinnützigkeit
erreichten. Den angeschlossenen Vereinen
wurde aufgegeben, ebenfalls die Gemeinnützigkeit anzustreben und sich
eintragen zu lassen. Dazu mussten
Auflagen beachtet und die Satzung
angepasst werden. 1991 lag der Entwurf einer neuen Satzung vor, der einstimmig
beschlossen wurde. Im Juni 1991 erkannte das Finanzamt Lübbecke die
Gemeinnützigkeit des Clubs an.
Der Vorstand bemühten sich stets
um ein gutes Verhältnis und viele Kontakte zur Stadt Lübbecke. Im Rahmen ihrer
Möglichkeiten half die Stadt, wohl wissend, dass Club und Clubanlage ein guter
Werbeträger der Kommune war.
1996 in einem Gespräch mit dem
Bürgermeister erklärte dieser seine Bereitschaft einer Hafenerweiterung
zuzustimmen, wenn der Club es wünsche. Allerdings lehnten die Clubmitglieder
ab, sich dieser neuen Herausforderung zu stellen, zumal keine öffentlichen
Zuschüsse zu erwarten waren. Die Gespräche wurden aber mit Stadt weiter
geführt.
1998 erklärten die Clubmitglieder in einer Abstimmung, der Vorstand solle die
Möglichkeiten eines Hafenausbaus prüfen und weiter bewegen. Intern begann jetzt
eine Debatte und sehr kontrovers geführte Diskussion, die durchaus zu einer
Spaltung des Clubs hätte führen können. Die Clubmitglieder fürchteten sich vor
den großen finanziellen Belastungen und
vor dem Übermaß der auf sie zukommenden Arbeit. Am 6.November 1998
wurden in einer Versammlung den Clubmitgliedern die Baupläne, Finanzierung und
Bauablaufpläne der Hafen-erweiterung vorgestellt. Der Antrag wurde einstimmig
angenommen.
Damit setzte im Winter 1998/99 im
Ostteil des Hafenbeckens eine rege Bautätigkeit ein. Bauführer war Albert
Broich, sein wichtigster Adjutant Willi Krückemeier, aber auch fast alle
anderen Clubmitglieder, soweit sie sich die schwierige Arbeit im und am
Erdreich zutrauen konnten. Dank der im Wasserbau erfahrenen Clubmitglieder
konnte die Hafenerweiterung gut und kostengünstig zu Ende gebracht werden.
In der Mitgliederversammlung am
22.März 2002 wurde ein neuer Vorstand gewählt. Nach 31 erfolgreichen Jahren als
1.Vorsitzender gab Albert Broich das Clubzepter an Burghard Kleffmann weiter. In seinem Schlusswort entschuldigte
er sich für manche ruppigen Worte und eventuelle persönliche Beleidigungen. Er machte
deutlich, dass er in seiner gesamten Amtszeit immer nur zum Wohle des Clubs
gearbeitet habe. Mit dem Abschied von Albert wurde ein Kapitel der
Clubgeschichte abgeschlossen. In einer feierlichen Sitzung im April 2002 an der
auch Vertreter der Nachbarvereine teilnahmen, wurde Albert Broich der Ehrenvorsitz des Motor-Yacht-Clubs
Lübbecke verliehen. Im Juni 2002 verstarb er an seiner schweren Krankheit.
Unter dem neuen Vorstand mit
Burghard Kleffmann als Präsident entwickelten sich Club und Clubleben schnell weiter.
Walter Putze leitete im Winter 2002/03 das Ausbaggern des Hafens. 2003 wurde
die Satzung mit Club- und Hafenordnung
überarbeitet. Seitdem gibt es ordentliche Mitglieder, mit allen Rechten
und Pflichten und vollem Stimmrecht, mit und ohne Boot, sowie außerordentliche
Mitglieder, Junioren (18-27Jahre) und Jugendliche, ohne Stimmrecht. Der Club
zählt jetzt insgesamt 77 Mitglieder davon 33 ordentliche mit vollem Stimmrecht.
Die technische Ausstattung der Hafenanlage wurde 2003/04 auf den neuesten Stand
gebracht. Mit neuen Edelstahl-Energieversorgungssäulen an jedem Liegeplatz mit
digitalem Satellitenanschluss und Internetversorgung im ganzen Hafen über
W-LAN. Es wurden neue Stege für kleinere Sportboote geschaffen. Sogar eine
Fäkalienabsauganlage ist bereits vorinstalliert.
Die Umweltfreundlichkeit ist
selbstverständliches Ziel der Vereinsarbeit und nicht nur in Satzung, Steg- und
Hafenordnung verankert. Das Ergebnis, jährlich wird dem MYC die „Blaue Flagge“
verliehen und der Club kann stolz darauf sein, dass der Motor-Yacht-Verband dem
Club im Frühjahr 2004 das Qualitätssiegel für besonders Sportbootfreundliche
Ausstattung des Hafens und Clubhauses verliehen hat.
Abschließend dürfen
die Chronisten der Hoffnung Ausdruck verleihen, dass dem Club und seinen
Mitgliedern noch viele sonnige Sommer und festliche Veranstaltungen im Hafen
und Clubhaus bevorstehen.
Lübbecke, 24.6.2004
Chronisten: Günter Kollmeier Jürgen Berger
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